Der folgende Text beschäftigt sich mit dem Thema „sexueller Missbrauch“ und hat das Ziel Menschen über sexuellen Missbrauch aufzuklären. Zunächst wird der Begriff sexueller Missbrauch definiert, anschließend folgen eine Aufteilung der verschiedenen Missbrauchsformen und eine aktuelle Statistik der Missbrauchsfälle in der BRD. Des Weiteren beinhaltet der Aufklärungstext eine Auflistung und Kurzbeschreibung möglicher Missbrauch Symptome sowie ein kurzes Resumé.

Laut dem Bundeskriminalamt bedeutet sexueller Missbrauch, dass ein Jugendlicher oder Erwachsener sexuelle Handlungen an, mit oder vor einem Kind vornimmt oder an sich vornehmen lässt. Der Täter / die Täterin nutzt dabei die Abhängigkeit, das Vertrauen, die Unterlegenheit und oft auch die Liebe des Kindes zur eigenen Bedürfnisbefriedigung aus. Zu sexuellen Handlungen zählen sowohl Handlungen mit Körperkontakt und körperlicher Gewaltanwendung (z.B. das Anfassen von Brust und Genitalien, Vergewaltigung) als auch sexuelle Handlungen ohne oder mit indirektem Körperkontakt (z.B. Exhibitionismus, das Vorzeigen pornografischer Filme oder Bilder).

Es kann aus Sicht der Psychologie zwischen verschiedenen Missbrauchsformen unterschieden werden. Hierzu gehören der Missbrauch:

  • ohne körperlichen Kontakt (bspw. Ansehen von Pornofilmen)
  • mit körperlichem Kontakt (bspw. gegenseitiges Berühren)
  • nicht penetrativ (bspw. gegenseitiges Berühren von Geschlechtsteilen)
  • mit penetrativem Kontakt (bspw. oraler Geschlechtsverkehr)
  • mit Paraphilien (bspw. Sadismus, Fetischismus)
  • ritualisierter Missbrauch.

Offizielle Statistiken wie die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) berichten jährlich von mehr als 14.000 Kindern in Deutschland, die Opfer von sexuellem Missbrauch werden. Drei Viertel der Opfer sind weiblich. Allerdings bilden solche Statistiken nur einen Teil der, von Experten vermuteten, weitaus höher liegende Dunkelziffern ab. Die Statistiken unterschätzen das Gesamtausmaß sexuellen Missbrauchs stark, da sie nur die angezeigten Fälle erfassen und die meisten Straftaten gegenüber Kindern nach wie vor im privaten Bereich, fern ab der Öffentlichkeit stattfinden und diese in den Statistiken nicht erfasst werden. Sexueller Missbrauch kommt in allen Gesellschaftsschichten vor und betrifft somit die gesamte Bevölkerung.

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Sexueller Kindermissbrauch hat für jedes Kind unterschiedliche Folgen. Eine Frühtraumatisierung aufgrund von sexuellem Missbrauch hat einen gravierenden Einfluss auf die weitere psychische, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Es gibt kein eindeutiges Missbrauchssymptom, es ist vielmehr ein Symptomkomplex, die Missbrauchsopfer aufweisen. Die grundlegende Missachtung und die Verletzung seiner körperlichen Integrität konfrontieren das Kind mit Gefühlen der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins. Das Kind wird in seinem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen geschädigt. Jedes Kind entwickelt, entsprechend seiner Persönlichkeit und dem sexuellen Missbrauch, das es erlebt hat, individuelle Symptome. Die Schädigungsproblematik sexuellen Missbrauchs wurde in der Forschung kontrovers diskutiert. Es ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen umso schwerwiegender sind:

  • je größer die verwandtschaftliche Nähe ist (sexueller Missbrauch besonders bei Autoritäts- und Vaterfiguren werden als besonders gravierend eingestuft)
  • je länger der Missbrauch andauert
  • je jünger das Kind bei Beginn des Missbrauchs ist
  • je größer der Altersunterschied zwischen Täter und Opfer ist (und besonders bei Generationsunterschied)
  • je mehr Gewalt angedroht oder tatsächlich angewendet wird
  • je vollständiger die Geheimhaltung ist
  • je weniger schützende Vertrauensbeziehungen bestehen wie etwas zur Mutter/Vater, zu Geschwistern, Gleichaltrigen oder Lehrern/innen.

Im Folgenden wird die Vielzahl der Symptome in:

  • körperliche Symptome
  • psychosomatische Symptome
  • psychische Symptome
  • Verhaltenssymptome
  • Symptome des Sozialverhaltens
  • Symptome des Sexualverhaltens

unterteilt.

Körperliche Symptome

Folgende körperliche Symptome können bei Missbrauchsopfern beobachtet werden:

  • Bisswunden, Hämatome und Striemen im Genitalbereich, an den Innenseiten der Oberschenkeln und an/in den erogenen Zonen
  • Blutungen, Risse, Abschürfungen, Rötungen und Wund sein an der Vulva, am Vaginaleingang, in der Vagina, am Penis, an den Hoden, an den Brustwarzen
  • Gegenstände in der Vagina, im After
  • ungewöhnliche Dehnungen der Vagina und des Afters
  • Geschlechtskrankheiten
  • Schwangerschaften

Psychosomatische Symptome

Kinder, die sexuell missbraucht wurden reagieren häufig mit psychosomatischen Beschwerden als Anzeichen ihrer unverarbeiteten seelischen Verletzungen. Sie bringen dadurch ihre leidvollen Erfahrungen zum Ausdruck.

Solche Symptome können sein:

  • langanhaltende Schlafstörungen, Ein- und Durchschlafstörungen können vor allem bei solchen Kindern festgestellt werden, die abends oder nachts in ihrem Bett sexuell missbraucht wurden. Aus Angst vor neuen Übergriffen bleiben sie wach und lauschen nachts, ob ihr Peiniger kommt um sich wieder an ihnen zu vergreifen. Die Kinder haben Angst die Kontrolle zu verlieren, Angst ungeschützt zu sein. Des Weitern können die Schlafstörungen durch das Schlafzimmer selbst ausgelöst werden, meist der Ort, an dem Kinder missbraucht werden.
  • erhöhte Schmerzgrenze
    Eine erhöhte Schmerzgrenze resultiert daraus, dass Missbrauchsopfer körperlich sowie seelisch viel ertragen müssen. Dadurch können sie schmerzunempfindlicher werden, sie können körperliche Taubheitsgefühlen aufweisen und somit abstumpfen.
  • Hyperreflexie
    Während des Missbrauchs befindet sich das Opfer im „Sympathikusmodus“. Das bedeutet, dass sich der Körper des Opfers im „Kampf-oder-Flucht Modus befindet. Das Kind ist weder imstande vor seinem Peiniger zu flüchten, noch kann es gegen ihn kämpfen. Die außergewöhnlich starke Erregung, die das Kind während des Missbrauchs erlebt, kann also durch eine Flucht oder einen Kampf nicht neutralisiert werden, da das Kind seinem Peiniger körperlich unterlegen ist. Hierdurch entsteht eine Übererregbarkeit des Nervensystems. Das Kind erstarrt und dissoziiert als Antwort auf diese starke Bedrohung. Dadurch kann die starke Energie nicht neutralisiert werden und es entsteht ein Trauma. Diese Erfahrung wird von dem „Körpergedächtnis“ gespeichert. Das Kind kann diese Erfahrung weder körperlich noch seelisch verarbeiten. Auf körperlicher Ebene kann als Konsequenz auf die nicht neutralisierte Energie eine Hyperreflexie entstehen.
  • extreme Schreckhaftigkeit ist ein typisches Trauma Symptom. Der Körper des Opfers ist traumatisiert, übererregt und ständig auf der Hut. Die Schreckhaftigkeit ist mit der Angst vor einer erneuten, überraschenden Tat des Täters verbunden.
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Verdauungsstörungen
    Es kann zu plötzlich auftretende Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache und/oder zu Schmerzen unerklärter Ursache beim Stuhlgang kommen.
  • Genitalbeschwerden
    Es kann zu Ausfluss, Pilzinfektionen, Schmerzen, Menstruationsstörungen, Schmerzen unerklärter Ursache im Genitalbereich kommen.
  • Hormonstörungen z.B. vorzeitiges Wachstum der Schambehaarung bei kleinen Mädchen
  • starke Kopfschmerzen/Migräne
  • Übelkeit
  • Hautreaktionen wie z.B. Sonnenallergie, Neurodermitis, anhaltender Juckreiz, Ausschläge. Die Haut ist die äußerliche Grenze, die verletzt wurde. Die Reaktion auf unangenehme und zu enge körperliche Nähe können bei Missbrauchsopfern diverse Hautkrankheiten sein. Somit wird ihr Körper unansehnlich und sie fühlen sich dadurch vor dem Täter und vor erneuten Übergriffen geschützt.
  • Verspannungen im Becken-Bereich / Menstruationsbeschwerden können auf die Abwehr im Beckens hindeuten. Missbrauchte Mädchen haben oft Bauchschmerzen und zeigen dabei auf ihren Unterleib. Solche Beschwerden ohne erkennbare organische Ursachen können als körperlicher Ausdruck des emotionalen Stresses, der inneren Konflikte angesehen werden. Dementsprechend kann es auch aus Angst und vor Schmerzen zu Verspannungen bis hin zu Lähmungserscheinungen kommen.
  • physische und psychische Lähmungserscheinungen (vor allen in Armen und Beinen) Verspannungen in Schultern, Nacken, Rücken oder Oberschenkeln. Während der Übergriffe verkrampfen sich die Kinder oft. Aus Angst sind sie wie gelähmt.
  • Essstörungen wie z.B. Mager-, Fett- und Fresssucht, Bulimie
    Essstörungen nach sexuellem Missbrauch können u.a. folgendermaßen erklärt werden: jugendliche Mädchen weichen der Entwicklung zur Frau aus, indem sie versuchen, ihre körperliche Entwicklung in der Pubertät zu stoppen. Sie negieren die Frauenrolle. Da der Körper von vielen Opfern als Ursache des Missbrauchs angesehen wird, versuchen die Opfer, unattraktiv und unansehnlich zu werden, also zu dick oder zu dünn. Manche Jugendliche auch ohne Essstörungen versuchen auch durch sehr weite, verhüllende Kleidung ihren Körper vor Blicken zu verbergen. Bei Fresssucht dient das übermäßige Essen zum Teil auch dem Ausfüllen eines Gefühls der inneren Leere, wobei „emotionale Nahrung“ gesucht wird. Gelegentliches übermäßiges Essen wird von den Opfern auch als Beruhigung gesehen oder sie möchten sich einfach mal etwas Gutes gönnen wobei das übermäßige Essen auch zu Kummerspeck führen kann. Das angegessene Schutzpolster bzw. der sehr kräftig gewordene Körper kann auch als eine Panzerung vor Bedrohung verstanden werden. Bei Magersüchtigen scheint das zwanghaft gesuchte Abnehmen auch Ausdruck dafür zu sein, wenigstens in einem Bereich des Lebens die Kontrolle behalten zu können. Auch bei bulimischen Opfern dient das Essen und Erbrechen nach eigenem Maß der Körperkontrolle.
  • Erstickungsanfälle, Asthma bronchiale, Hyperventilation, Ohnmachtsanfälle, Kreislaufbeschwerden
    Die Erstickungsängste eines Kindes können das Erleben der oralen Sexpraktiken während des Missbrauchs widerspiegeln, aber auch dann entstehen, wenn der Täter dem Kind während des Missbrauchs den Mund zugehalten hatte, damit es nicht schreien kann. Es kann auch das Gefühl auftreten, einen Kloß im Hals zu haben und nicht mehr richtig schlucken zu können. Oftmals haben die Opfer in diesem Zusammenhang auch das Gefühl schreien zu wollen, können es aber nicht, denn die Angst und die Drohungen des Täters sind zu massiv. Es ist ein stummer, in der Seele des Opfers eingeschlossener Schrei. In Rahmen einer Psychotherapie, die Missbrauchsopfer im Erwachsenenalter z.B. machen, dürfen sich die Opfer meist erstmalig ihren Schmerz aus der Seele schreien. Manche Missbrauchsopfer schreien minuten- oder stundenlang in Kissen hinein oder gehen bewusst an Orte, wie beispielsweise in den Wald, an denen sie schreien können.
  • Einnässen/Einkoten
    Das Einnässen kann als Ausdruck der allgemeinen Verunsicherung sowie nächtlichen Angst angesehen werden. Kleinkinder aus familiär belasteten Familien sind oft nicht trocken. Kinder, die bereits sauber und trocken waren, können aufgrund der Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch wieder anfangen einzunässen/einzukoten. Das Einkoten kann auch als Ausdruck verdrängter Aggression angesehen werden. Weiter kann das Einkoten auch als Versuch der Abwehr des sexuellen Missbrauchs (z.B. bei analer Vergewaltigung) angesehen werden.
  • Krank-sein
    Opfer machen sich manchmal absichtlich „krank“ um dadurch Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit zu bekommen.

Psychische Symptome

Sexuelle Übergriffe stellen für Kinder eine starke emotionale Verwirrung dar. Der sexuelle Missbrauch wird von Betroffenen als demütigend erlebt. Sie fühlen sich wertlos, sind verunsichert und sie fühlen sich an dem Missbrauch schuldig. Es können sich folgende psychische und emotionale Symptome entwickeln:

  • Misstrauen der eigenen Wahrnehmung
    Beispiel: „Vielleicht machen das alle Väter mit ihren Töchtern vielleicht ist das normal, und ich sehe das nicht richtig“. Sie misstrauen meistens ihrer eigenen Wahrnehmung.
  • Unfähigkeit zur Selbst- und Fremdeinschätzung
  • Dissoziation
    Trennung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten, welche normalerweise assoziiert sind. Hierdurch kann die integrative Funktion des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Wahrnehmung und der Identität beeinträchtigt werden.
  • Multiple Persönlichkeit
    Dissoziation manifestiert sich in seiner schwächsten Form als eine Art Benommenheit. Seine stärkste Manifestation ist das Syndrom der sogenannten multiplen Persönlichkeit. Weil bei einer Dissoziation die Kontinuität des ganzheitlichen inneren Empfindens eines Menschen zusammenbricht, ist dieser Zustand fast immer mit Verzerrungen des Zeitgefühls und der Wahrnehmung verbunden. Mit anderen Worten: wir sind nicht ganz bei uns selbst oder in unserem Körper. Missbrauchsopfer können ein Gefühl völliger Losgelöstheit vom eigenen Körper erleben. Dissoziation ist eines der klassischen und gleichzeitig auch eines der subtilsten Trauma Symptome – und eines der geheimnisvollsten. Die Dissoziation scheint das wichtigste Mittel zu sein, das Menschen bei traumatischen Geschehnissen Erfahrungen aushalten lässt, die eigentlich unerträglich sind. Dissoziation kann zu einem chronischen Zustand werden, und wird die aktivierte Energie nicht neutralisiert können sich komplexe Symptome, wie z.B. die Aufspaltung in mehrere Persönlichkeiten zeigen.
  • Depersonalisation/Derealisation
    Die Missbrauchsopfer fühlen sich und ihren Körper oder die Umwelt fühlt sich zeitweise fremd und unwirklich an.
  • Flashbacks
    Plötzlich auftretende Erinnerungen an bedrohliche Situationen oder Teilerinnerungen kommen in Form von Bildern, Geräuschen oder Körperempfindungen hoch. In anderen Worten: durch die plötzlichen auftretenden bildlichen Erinnerungen kann das Opfer plötzlich anfangen zu zittern und Angstzustände und Weinkrämpfe bekommen.
  • Amnesien/Teilamnesien
    Es gibt Fälle, in denen eine Amnesie ohne körperliche Ursache auftritt. Dissoziative Amnesie nennen Wissenschaftler das Phänomen, wenn „psychische oder psychosomatisch hervorgerufene Stresszustände“ – also besonders belastende Ereignisse – Gedächtnisstörungen auslösen. Dann können die Betroffenen die Schubladen, in die das Gehirn die schrecklichen Erinnerungen gepackt hat, nicht mehr öffnen. Genau wie organisch bedingte, treten dissoziative Amnesien plötzlich auf – jedoch meist ohne andere kognitive Beeinträchtigungen. Schlagzeilen machen vor allem Fälle, die besonders dramatisch sind: Zum Beispiel der Mann, der plötzlich auf einer Parkbank in einer fremden Stadt sitzt und nicht mehr weiß, wer er ist. Später findet er heraus, dass er in seiner Kindheit viele Jahre in Kinderheimen sexuell missbraucht wurde.
  • plötzlich auftretende Sprachstörungen
    Durch das Verbot des Täters über den Missbrauch zu sprechen können Kinder Sprachstörungen entwickeln. Das Kind findet keine Worte für das Geschehene. Es weiß nicht was und wie es etwas sagen soll. Es muss ständig aufpassen was es sagen will, was zu plötzlichen Stottern, Stammeln oder sogar zu völligen Sprachverweigerungen (Mutismus) führen kann. Besonders jungen Kindern fehlen manchmal die Worte, um Erlebtes in Worte zu fassen. Drohungen und Gewalt seitens des Täters, Druck zur Geheimhaltung des Missbrauchs und die Ausnutzung der kindlichen Abhängigkeit und des Vertrauens führen dazu, dass die Kinder gleichzeitig sprechen und schweigen wollen. Das Stottern kann in diesem Fall als Kompromiss zwischen Sprechen und gleichzeitigem Verstummen bzw. Schweigen gedeutet werden. Aufgrund der Aufregung und des starken Drucks, unter dem die Kinder stehen fangen viele an zu stammeln, sie verstummen oder sprechen nur noch mit ausgewählten Personen in ihrem Umfeld (selektiver Mutismus).
  • Borderline-Störung
    Eine Borderline-Störung kann sich u.a. aufgrund frühkindlichen sexuellen Missbrauchs entwickeln. Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert ist. Es handelt sich um ein schwerwiegendes psychiatrisches Krankheitsbild, das auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs bezeichnet wird.
  • Abspaltungen
    Manche Missbrauchsopfer haben zum Zeitpunkt des Geschehens ihren Missbrauch aus Selbstschutz abgespalten, da das Ereignis zu schrecklich und bedrohlich für sie war um es als Kind ertragen zu können. Diese Opfer können Missbrauchssymptome aufweisen ohne zu wissen, dass sie sexuell missbraucht wurden. Es kann vorkommen, dass sich Missbrauchsopfer im Laufe ihres Lebens u.U. wieder an ihren sexuellen Missbrauch erinnern.
  • affektive Störung (bipolare Störung /manisch-depressiv)
    Die Bipolarität kann eine Folge von sexuellem Missbrauch sein. Die bipolare Störung ist gekennzeichnet durch Phasen (Episoden) von Hypomanien, Manien und Depressionen, zwischen denen es durchaus lange beschwerdefreie Phasen geben kann. Die Häufigkeit, die Länge und der Schweregrad der einzelnen Phasen kann sehr unterschiedlich sein.
  • Schizophrenie
    Schizophrenie ist eine endogene Psychose und kann u.a. durch sexuellen Missbrauch entstehen. Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine komplexe, psychische Erkrankung, die auch zu starken körperlichen Symptomen führen kann. Sie beeinflusst die gesamte Persönlichkeit der Betroffenen in unterschiedlicher Weise – z.B. das Denken, die Wahrnehmung und das Fühlen.
  • Depressionen, depressive Verstimmungen
    Die Depression ist in der Psychiatrie den affektiven Störungen zugeordnet und kann u.a. durch sexuellen Missbrauch entstehen. Die Depression ist eine psychische Störung. Ihre typischen Zeichen sind beständig und eingeengt negative Stimmung und Gedanken, Verlust an Freude, Lustempfinden, Interesse und Antrieb, Verlust an Selbstwertempfinden, an geistiger Leistungsfähigkeit und an Einfühlungsvermögen. Diese Symptome, die auch bei gesunden Menschen zeitweise natürlich auftreten, sind in der Depression unverhältnismäßig verfestigt, dauerhaft und von den Betroffenen vermindert beeinflussbar. Weitere affektive Störungen können z.B. grundloses Weinen sowie plötzliches hysterisches Verhalten sein. Depressive Reaktionen von Kindern auf einen sexuellen Missbrauch werden von vielen Experten als symptomatisch betrachtet. Es ist nur allzu verständlich, wenn die Kinder traurig darüber sind, dass ein ihnen vertrauter Mensch ihnen wehgetan hat, sie benutzt hat. Sie sind enttäuscht, dass sie sich selbst nicht aus dieser schrecklichen Situation befreien können und ihnen all die anderen Menschen nicht helfen. Die Kinder weisen oft eine Gefühlsarmut auf. Bei jahrelangem Missbrauch trauern die Kinder um ihre verlorene Kindheit und Jugend.
  • Ekel
    Missbrauchsopfer empfinden oft Ekel vor Körperlichkeit, Körpergerüchen, Körperausscheidungen. Der Ekel kann sogar zur Übelkeit und Erbrechen führen.
  • sich wiederholende Alpträume
  • Hilflosigkeit
  • Unselbstständigkeit
  • Angstgefühle/Panikanfälle
    Ein großer Teil der Kinder entwickelt infolge des sexuellen Missbrauchs massive Angstgefühle. Die Kinder haben zum einen die sehr realistische Angst erneut missbraucht zu werden. Sie fürchten sich davor, dass der Täter seine Drohungen wahr macht und sie schlägt oder gar tötet, wenn sie etwas verraten. Sie haben auch Angst davor, dass ihnen nicht geglaubt wird, dass sie von den Eltern und Geschwistern verstoßen werden, wenn der sexuelle Missbrauch entdeckt wird. Viele Mädchen und Jungen zeigen plötzlich eine enorme Angst vor Menschen, die sie durch ihre Stimme, ihren Tonfall etc. an den Täter erinnern. Es kommt sogar zu panikartigen Reaktionen in bestimmten Situationen oder Räumen, mit denen sie die Gewalttat in Verbindung bringen. So kann es ein wichtiger Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein, wenn ein Kind plötzlich Angst hat, mit einer bestimmten Person allein im Haus zu bleiben. Des Weiteren zeigen Missbrauchsopfer oft Ängste vor AIDS, vor Stigmatisierung (jeder kann es mir ansehen) und „verrückt zu werden“.
  • Vertrauensverlust
    Die meisten Kinder vertrauen dem Täter, bevor sie von ihm sexuell missbraucht werden. Ein Mädchen ist vielleicht in den ersten Lebensjahren immer zu ihrem Vater gelaufen, wenn sie sich wehgetan hat oder Angst hatte. Sei wurde dann von ihm in den Arm genommen und getröstet. Plötzlich macht der gleiche Mensch Dinge mit ihr, die ihr unheimlich sind und sie verletzen. Ihr Vertrauen in enge Beziehungen wird zutiefst erschüttert. Die Reaktion ist, dass sie nicht mehr vertraut aus Angst wieder verletzt zu werden. Die Opfer werden vorsichtig. Sehr viele Kinder sind deshalb nach einem sexuellen Missbrauch sehr misstrauisch gegenüber engen Beziehungen. Sie entwickeln eine Schutzfunktion vor weiterem sexuellen Missbrauch und erneutem Vertrauensmissbrauch.
  • Scham- und Schuldgefühle
    Die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung und das Gefühl der Ohnmacht schwächen das Selbstbewusstsein des Kindes. Die Opfer zeigen oft ein niedriges Selbstwertgefühl aufgrund der entstandenen Scham -, Schuldund Minderwertigkeitsgefühlen. Im Zusammenhang mit den anderen Belastungen und Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs führt dies zu einer sehr schwach ausgeprägten ICH-Stärke bei den Kindern.
  • Suizidgedanken, Suizidversuche
    Selbstmordgedanken und versuche sind ein dramatischer Schrei nach Hilfe. Sie spiegeln die Gefühle der Hilf-, Hoffnungs- und Ausweglosigkeit der Opfer wieder und erscheinen als einzige Möglichkeit der Flucht aus der unerträglichen Missbrauchssituation. Weiter kommt in ihnen wegen der vermeidlichen Schuld auch eine Tendenz zur Selbstbestrafung zum Ausdruck. In Verbindung mit dem entstandenen negativen Selbstbild kann sich der Gedanke verfestigen nicht lebenswert zu sein. Selbstmordversuche erfolgen auch, wenn Kinder von ihrem sexuellen Missbrauch sich jemandem anvertrauen und ihnen niemand Glauben schenkt.
  • Selbstverletzungen
    Viele Missbrauchsopfer verletzen sich selbst. Sie richten ihre Aggressionen und Schuldgefühle nicht gegen den Täter, sondern gegen sich selbst und ihren Körper, indem sie Nägel kauen, sich die Haare ausreißen, sich mit Messern, Glasscherben oder Rasierklingen Schnittverletzungen an den Armen und Beinen zufügen, sich Zigaretten auf dem Körper ausdrücken und sich mit den Fingernägeln Striemen auf der Haut beibringen. Manche Opfer geben an, durch die Selbstverletzungen Gefühle der innerer Anspannung und Leere abbauen zu können. Diese Selbstverletzungen sind auch als Hilfeschrei zu verstehen. Das Opfer bestraft sich oder möchte durch den zugefügten Schmerz spüren, dass es überhaupt noch etwas spürt oder lebt. Wieder andere fügen sich körperliche Schmerzen zu, um den seelischen Schmerz zu verdecken. Sie tragen ihren Schmerz nach außen.

Verhalten/Verhaltensstörungen

Zusammenfassend lassen sich im Wesentlichen folgende Verhaltensweisen nennen:

  • übertriebenes Anpassungsverhalten
  • auffälliges Verhalten gegenüber bestimmten Männern und Frauentypen
  • Stehlen
  • Überreaktionen „hysterisches“ Verhalten
  • in Kleidern oder Schlafsack schlafen, sich fest einwickeln im Schlaf
  • extrem ohnmächtiges Verhalten , sehr devotes und unsicheres Verhalten, Opferrolle
  • Weigerung den Mund zu öffnen (z.B. beim Zahnarzt oder beim Eis essen)
  • Plötzlicher Leistungsabfall/Leistungsanstieg
    Negative Veränderungen in den Schulleistungen, Versagen in der Schule, aber auch Leistungsverweigerung und Konzentrationsschwierigkeiten können auf sexuellen Missbrauch hinweisen. Oft ist es ist unmöglich für die Missbrauchsopfer sich in der Schule zu konzentrieren, sie sind müde und mit ihren Gedanken oft beim Missbrauch. Für gute Schulleistungen haben sie oft keine Kraft mehr, sie haben wichtigere Sorgen als die Schule. Es kann auch eine auftretende Legasthenie bei missbrauchten Kindern beobachtet werden. Es kann allerdings auch vorkommen, dass sexuell missbrauchte Kinder mit extremer Leistungsbereitschaft auf den Missbrauch reagieren. Mit guten Leistungen heben sie sich von den anderen ab. Zudem wird die Schule in vielen Fällen zu einem Ort, an dem sie keine Angst vor sexueller Gewalt haben müssen. Hier können sie sich entfalten und bekommen durch ihre Erfolge Anerkennung. Hinter dieser verzweifelten Leistungsbereitschaft kann ebenfalls der Wunsch nach Unabhängigkeit stecken. Möglichst schnell Geld verdienen und aus dem verhassten Elternhaus entfliehen mit dem Ziel eine ICH-Stärke zu entwickeln.
  • Zwänge/Phobien
    Psychische Reaktionen auf sexuelle Gewalterlebnisse zeigen sich häufig in zwanghaftem Verhalten. Das Kind ist fast ausschließlich beschäftigt mit Reinlichkeits- und Ordnungsritualen. Es duscht oder wäscht sich so häufig, bis die Haut rot und rissig ist, um den inneren und äußeren Schmutz los zu werden. Das Kind versucht vergeblich sich von der Missbrauchsverschmutzung und vor dem starken Ekel, das es empfindet, zu reinigen. Andererseits will es über die Vermeidung jeglicher äußerlichen Verunreinigungen symbolisch der Missbrauchsverschmutzung entkommen.
  • Plötzlich auftretendes aggressives Verhalten gegenüber Kindern/Erwachsenen
    Bei Missbrauchsopfern staut sich jede Menge Wut, Hass und Enttäuschung auf den Täter und eventuell auch auf andere Menschen auf, die ihnen nicht helfen. Die Kinder können die ihre Wut und ihren Hass nicht kanalisieren und verschieben ihre Wut und ihren Hass auf andere Menschen. Die Kinder sind oft ambivalent, denn auf der einen Seite lieben sie ihren Täter, wenn der Missbrauch z.B. in der Familie passiert und auf der anderen Seite hassen sie ihn und sind wütend auf den Täter, weil er sie körperlich und seelisch verletzt. Häufig müssen dann jüngere, schwächere Kinder unter diesen starken Aggressionen leiden, oder es werden Erwachsene verachtet und bestraft. Bei Kindern und Jugendlichen, die im Elternhaus körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind, besteht eine erhöhte Gefahr, dass sie später ebenfalls Kinder sexuell missbrauchen und/oder Gewalt an ihnen ausüben. Ursächlich ist dabei die Identifikation mit dem Aggressor, also der mächtigen Täterenergie, d.h. Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit als Opfer werden überwunden, indem nun die machtvolle Täterrolle eingenommen wird. So kann der Missbrauch von Generation zu Generation übertragen werden. Opfer, die ihre Erfahrung nicht verarbeitet haben, können also in sehr vielen Fällen auch ihrerseits zu Tätern werden. Aus der Psychotherapie sind solche Täter-Opfer-Kreisläufe über mehrere Generationen bekannt.
  • vernachlässigtes oder übertriebenes Hygieneverhalten
    Auch auf dem Weg über mangelnde Hygiene sowie eines abstoßenden und unscheinbaren Äußeren versuchen die Opfer auf Männer nicht attraktiv zu wirken bzw. die Menschen auf Distanz zu halten. Dass sich die Kinder nicht mehr waschen, kann auch daran liegen, dass der Missbrauch oft im Badezimmer erfolgte und dieser Ort somit besonders gemieden wird. Die mangelnde Körperpflege eines Opfers kann zusätzlich auch daran liegen, dass der Körper als Mitschuldiger abgelehnt und sogar gehasst wird, er ist entwürdigt und entweiht, schmutzig und nicht liebenswert.
  • Suchtverhalten
    Erfahrungen aus Drogenberatungsstellen belegen, dass für viele Alkoholund Drogenabhängige der sexuelle Missbrauch ein Grund zum Einstieg gewesen ist. Der Alkohol- und Drogenkonsum kann sich von einem vorübergehenden Überlebensmechanismus zur beeinträchtigenden Abhängigkeit entwickeln. Alkohol und Drogen dienen vielfach der Selbstbetäubung, um die Gefühle von Scham, Einsamkeit, Ekel, Angst und Schmerzen vorübergehend zu dämpfen. Die Suchtmittel führen zu einem Gefühl der momentanen Entlastung und Leichtigkeit, die innere Anspannung und Unruhe lässt nach, die quälenden Gefühle und Erinnerungen werden nicht mehr so bewusst erlebt.
  • ansteigende Unfallanfälligkeit z.B. durch Ungeschicklichkeit, unkoordiniertes Verhalten
  • Pedanterie und Perfektionismus – dissoziative Verhaltensweisen
  • autoaggressives Verhalten
    Die Aggressionen, die sich aufgrund der Missbrauchssituation in den Mädchen und Jungen angestaut haben, richten sich nun gegen sich selbst. Aufgrund der Scham- Schuldgefühle, die Opfer empfinden, wollen sie sich dafür bestrafen. Sie denken, sie hätten sich dem Missbraucher nicht genügend zur Wehr gesetzt. Der Körper wird als Ursache für den sexuellen Missbrauch angesehen und zerstört.
  • regressives Verhalten
    (Entwicklungsrückfall) Vor allem kleinere Kinder zeigen als Folge eines sexuellen Missbrauchs regressive Verhaltensweisen. Sie möchten beispielsweise plötzlich wieder ständig auf den Arm genommen werden, sie krabbeln immer wieder auf den Schoß der Mutter, weichen ihr nicht mehr von der Seite und klammern sich regelrecht an ihr Bein. Es kommt auch häufig vor, dass sie plötzlich wieder am Daumen lutschen oder nach dem Schnuller, Flasche oder Kuscheltieren verlangen, obwohl sie längst entwöhnt waren. Außerdem entwickelt das Kind seine Sprachfähigkeit nicht altersgemäß und fällt in die Babysprache zurück. Durch diese Rückfälle in frühkindliche Verhaltensweisen wünscht sich das Kind wieder, wie früher als es ein Baby war, zu jederzeit geschützt und umhegt zu werden.

Speziell bei Jungen sind oft folgende Symptome zu beobachten:

  • sexuell aggressives Verhalten gegenüber anderen Kindern
  • plötzlich auftretendes aggressives Verhalten allgemein
  • Brandstiftung
  • Zündeln
  • Tierquälerei

Sozialverhalten

Kinder und Jugendliche zeigen nach einem sexuellen Missbrauch überdurchschnittlich oft Verhaltensauffälligkeiten. Sie wurden benutzt und in ihrem Vertrauen betrogen. Diese Gefühle äußern sich in ihrem sozialen Verhalten. Änderungen im Sozialverhalten können sein:

  • Extremes Anklammern an Bezugspersonen, ständige Suche nach Liebe, die sich auch durch Beziehungssucht äußern kann.
  • übertriebene Furcht und Misstrauen vor Fremden
  • Distanzloses Verhalten
    Bei sexuell missbrauchten Mädchen und Jungen wurden ihre eigenen persönlichen Grenzen vom Peiniger überschritten. Sie konnten daher nicht lernen ihre eigenen Grenzen und die Grenzen anderer zu erkennen und zu respektieren. Sie verhalten sich distanzlos.
  • Verschlossenheit/Einzelgängertum, Autismus, Rückzug aus sozialen Zusammenhängen
    Viele Kinder ziehen sich aus ihren Freundschaften zurück, es vermeiden gemeinsame Unternehmungen und isolieren sich. Die Kinder werden immer unsicherer, ein Anlächeln wird als Auslachen umgedeutet, die Kinder fühlen sich im Vergleich zu anderen Kindern viel weniger hübsch, klug, liebenswert etc. Hinzu kommt die Angst, dass die Suche der Opfer nach Nähe und Geborgenheit zu erneutem sexuellen Missbrauch führen kann. Außerdem wird Nähe auch aus Angst vermieden, sich aus Versehen zu versprechen. Der Abstand zu anderen Menschen verschafft auch das Gefühl, das es nicht durchschaut und erkannt werden kann. Die Täter sorgen somit für die Isolation des Kindes und wahren damit gleichzeitig die Geheimhaltung der Tat.
  • Weglaufen, Streunen
    Dieses Verhalten scheint bei Mädchen und Jungen ein wichtiger Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch zu sein. Das stunden, – tage- oder gar monatelange Fernbleiben des Elternhauses ist als Flucht vor der unerträglichen Missbrauchssituation zu verstehen. Die Flucht kann mit einer Suche nach einer besseren Zukunft, nach Geborgenheit und nach vertrauensvollen Menschen zusammenhängen. Dabei besteht die Gefahr, in neue Abhängigkeiten zu geraten und erneut missbraucht zu werden. Missbrauchte Kinder sind kaum noch zu Hause, sie verbringen möglichst viel Zeit unter Freunden oder irren in der Stadt herum, haben scheinbar immer etwas außerhalb zu tun, sind morgens die ersten auf dem Schulhof und bummeln noch lange nach Schulschluss herum, bevor sie sich nach Hause wagen.

Sexualverhalten

Durch den sexuellen Missbrauch wurde die Entwicklung der kindlichen Sexualität massiv gestört und unterbrochen. Der Täter hat das Vertrauen des Kindes missbraucht, beschmutzt und sich schamlos verhalten. Sexuell missbrauchte Kinder fallen häufig durch ein altersunangemessenes Sexualverhalten auf. Sie drücken sich durch auffällige, nicht altersgemäße sexuelle Handlungen im Spiel, in Erzählungen oder in ritualisierten Doktorspielen bei gleichaltrigen Kindern aus, wobei erlebte Zwangshandlungen nachgespielt werden. Es liegt häufig ein zwanghaftes Sexualisieren von Intimität und körperlicher Nähe, eine Veränderung im Sexualverhalten zu Mädchen und Jungen, sexualisieren von sozialen Beziehungen (z.B. in der Klassengemeinschaft), exzessive sexuelle Neugierde, Regression, Pseudoreife, sexueller Identitätsverlust (Angst homosexuell zu sein) sowie ein distanziertes und abwertendes Verhalten gegenüber Homosexuellen vor. Des Weiteren findet sich ein zwanghaftes promiskuitives Verhalten bei Missbrauchsopfern.

Ein unangemessen sexuelles Verhalten kann sich unter Umständen durch öffentliches Herzeigen der eigenen Genitalien und einem häufigem, intensivem sowie offenem Masturbieren zeigen. Manche Mädchen zeigen ein auffälliges Verhalten während ihrer Menstruation. Sie stellen ihre Binden zur Schau oder zeigen ein besonders beschämtes Verhalten. Es kann bei Mädchen des häufigeren vorkommen, dass es reflektorisch auf alle Viere hinunter geht, ihren Po in die Luft streckt, wenn eine Erziehungsperson laut wird oder schimpft. Mädchen reagieren auch des Öfteren wie elektrisiert oder verhalten sich Männern gegenüber völlig distanzlos und devot. Das Kind weist mit den genannten Verhaltensauffälligkeiten auf den Vertrauensbruch, die Beschmutzung, die Schamlosigkeit und auf die viel zu frühe gewalttätige Sexualisierung hin und bringt sie durch diese Auffälligkeiten an die Öffentlichkeit. Verstärkt wird ihr Verhalten dadurch, wenn der Täter ihnen erzählt, dass das, was sie miteinander machen völlig normal und richtig sei.

Doch nicht nur eine exzessive Beschäftigung mit der Sexualität wird bei Missbrauchsopfern beobachtet. Sie haben Sexualität als gewalttätig und schmerzvoll erlebt. Dadurch entwickeln sie oft negative Gefühle mit Sexualität, was dazu führen kann, dass die Kinder sexuelle Aktivitäten als bedrohlich erleben. Hieraus können sich eine Negierung der eigenen sexuellen Bedürfnisse, eine ablehnende Einstellung zur Sexualität und sogar eine sexuelle Dysfunktion entwickeln. Oft wird ein sadomasochistisches Sexualverhalten oder ein sexuell aggressives Verhalten bei Missbrauchsopfern beobachtet.

Ein Kind, das für den sexuellen Missbrauch vom Täter materiell belohnt und beschenkt wurde wie z.B. mit Schokolade oder Spielzeug, lernt Sexualität funktional einzusetzen. So kann eine Entfremdung von der eigenen, vielleicht nie erfahrenen Sexualität stattfinden. Ein weiteres Motiv, sich später als Jugendliche/Erwachsene zu prostituieren, ist nach Aussage von Prostituierten, dass sie in ihrer Arbeit einen Weg sehen, eine Situation zu kontrollieren, die sie als Kinder nicht kontrollieren konnten. Es ist bezeichnend, dass viele Prostituierte, die als Kind missbraucht wurden, sagen, sie hätten zum ersten Mal ein Gefühl von Macht empfunden, als sie ihren ersten Freier hatten. Auch in diesem Zusammenhang kann das Opfer zum Täter werden, indem sie nun die Männer für ihre Zwecke benutzt. Auch wenn Untersuchungen einen engen Zusammenhang von sexuellem Missbrauch und Prostitution belegen, ist an dieser Stelle zu betonen, dass sich auch Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männer prostituieren die niemals sexuell missbraucht worden sind.

Resumé

Viele Menschen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden, sterben aufgrund ihrer starken Symptomatik oftmals überdurchschnittlich früh oder führen ein sehr schweres und leidvolles Leben. Sie sind oftarbeitsunfähig, körperlich krank und seelisch stark gestört. Auf der anderen Seite gelingt es vielen Missbrauchsopfern z.B. durch eine professionelle Psychotherapie ein glückliches und gesundes Leben zu führen und sie haben gelernt sich vertrauensvoll auf Beziehungen einzulassen.

Viele Opfer trauen sich erst gar nicht eine psychotherapeutische Therapie anzufangen um ihre körperlichen und seelischen Wunden zu heilen – zu groß ist die Angst erneut all den seelischen Schmerz durchgehen zu müssen. Glücklicherweise gehen viele Missbrauchsopfer trotzdem diesen, oftmals jahrelangen und schmerzhaften Weg der Heilung. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es vielen Opfer, trotz professioneller Psychotherapie nicht gelingt zu „gesunden“ und sie sich das Leben nehmen, weil der Schmerz zu groß und unerträglich ist. Dies zeigt wie weitreichend die Folgen sexuellen Missbrauchs sein können.

Es ist vor allem immer im Auge zu behalten, dass es sich um ein Symptomenkomplex handelt, dass ein missbrauchtes Kind oder ein missbrauchter Erwachsener aufweist, welcher hinweisend auf einen sexuellen Missbrauch sein kann. Das wiederum setzt bei allen Menschen Aufklärung zum Thema Missbrauch sowie Achtsamkeit voraus. Es ist ein hohes Maß an Achtsamkeit und Zuwendung notwendig, um ein plötzliches Auftreten von Auffälligkeiten bei einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen festzustellen.

Die Signale, also die Hilferufe, mit denen ein Kind oder Erwachsener versucht, sich mitzuteilen, sind so verschieden wie die Menschen selbst. Jede plötzlich auftretende Verhaltensänderung eines Kindes sollten wir äußerst sorgfältig beobachten. Je mehr der aufgeführten Symptome wir erkennen, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Kind oder ein Erwachsener sexuell missbraucht wurde. Auch wenn sexuell missbrauchte Kinder und Erwachsene selten darüber sprechen, was ihnen angetan wurde, so sprechen doch die Symptome eine eigene Sprache.

Mit Aufklärung können wir ihre Sprache versuchen zu verstehen!

Quellen: Hamburger Initiative gegen sexuelle Gewalt an Kindern | Buch: ‚Nein ist nicht genug‘ von A. May

http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie/ risikofaktoren/sexueller-missbrauch/psychische-folgen/

http://www.regenbogenwald.de/themen/missbrauch/6.htm http://www.aufrecht.net/utu/

http://www.trauma-info.info/2012-11-26-15-33-44/erwachsene-mitkindheitstrauma- fruehtrauma/11-aufrecht

http://www.mikado-studie.de/index.php/sexueller-missbrauch.htm

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/krankheiten/tid- 12673/amnesie-abwehrmechanismus-gegen-schlimmeerinnerungen_ aid_351461.html

Buch: Dr. Peter A. Levine, das Erwachen des Tigers, Verlag Synthesis